11. September 2013

Revolution des Material- und Datenflusses: smaRTI erhält Branchen-Oscar der Konsumgüterindustrie

Lücken im Regal gelten als Umsatzkiller im deutschen Einzelhandel. Ein Drittel der Out-of-Shelf-Situationen sind dabei auf Fehler im Bestellprozess zurückzuführen und bescheren dem Einzelhandel allein Umsatzverluste zwischen zwei und drei Prozent. So weit die Ausgangslage für die Forscher des Projekts smaRTI, kurz für smart Resuable Transports Items. Sie traten 2010 an, um den Material- und Datenfluss entlang der Lieferkette zu revolutionieren. Ihre wegweisende Arbeit im Konsumgüterbereich wurde jetzt mit dem ECR-Award 2013 in der Kategorie Unternehmenskooperation ausgezeichnet. Den Preis für Efficient Consumer Response (ECR) vergeben die Experten für Identifikations-, Kommunikations- und Prozessstandards von GS1 Germany jährlich für herausragende Management-Leistungen und Kooperationen, die Kundenorientierung beispielhaft in den Fokus rücken. Der Award gilt als Branchen-Oscar der Konsumgüterindustrie und wurde am 10. September in Stuttgart feierlich verliehen.


Das Forschungsprojekt smaRTI ist Teil des zurzeit größten europäischen Forschungsprojektes "EffizienzCluster LogistikRuhr" und steht unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML. „Im smaRTI-Projekt haben wir uns vorgenommen, das Internet der Dinge zum Leben zu erwecken und es ist uns ein Meilenstein in der Konsumgüterlogistik gelungen. Die Auszeichnung mit dem renommierten ECR Award ist für uns die beste Bestätigung dieser Arbeit“, freut sich Prof. Dr. Michael ten Hompel, Geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer IML, über den Preis. Für die Konsumgüterindustrie, so ten Hompel weiter, lasse sich der Nutzen des Internet der Dinge nun erstmals in barer Münze beziffern. Durch eine smaRTI-basierente unternehmens- und branchenübergreifende Optimierung von Distributionsprozessen könne der deutsche Einzelhandel insgesamt ein Umsatzplus von zwei Prozent einstreichen, was etwa acht Milliarden Euro entspricht.

smaRTI versteht sich als Dienst zur Echtzeitverfolgung von Ladungsträgern und ist eng mit dem Internet der Dinge verbunden. Ziel ist ein intelligenter Materialfluss, in dem sich smarte Objekte selbstständig durch ein Logistiknetz navigieren und zu ihren Bestimmungsorten finden. „Mit smaRTI sind wir auf dem Weg, die Welt des Daten- und Materialflusses zu revolutionieren“, so Projektleiter Björn Anderseck. „Denn wir stellen in einem überaus komplexen System eine bislang einmalige Transparenz her.“ Mit RFID-Transpondern und Barcodes ausgestattete intelligente Ladungsträger ermöglichen es, dass Prozessfehler sich zunächst selbst heilen und erst bei schwereren Problemen den Eingriff des Menschen erfordern.

Das Forschungsprojekt smaRTI im EffizienzCluster läuft über dreieinhalb Jahre und wird Ende dieses Jahres abgeschlossen. Partner im Projekt sind u.a. die REWE Group mit ihrem Discounter PENNY, der Hersteller MARS und der Palettendienstleister CHEP. Zusätzlich werden mit den Partnern Lufthansa Cargo, Deutsche Post DHL, Infineon und der TU Dortmund die Lösungen branchenübergreifend erprobt. Der Dienst ist ready-to-use und wird unter dem Namen Databirds stetig weiterentwickelt. Die Jury des ECR-Awards lobte unter anderem die umfassende Roll-out-Fähigkeit, die sehr gute Messbarkeit der Umsatzverbesserung sowie die Partnerorientierung im Projekt. Björn Anderseck bestätigt: „Die auf etablierten Standards basierende Technologie ist erprobt und läuft fehlerfrei. Sämtliche Daten können zuverlässig bewertet und analysiert werden.“

Der neue Dienst ist keine Einzellösung für die Lebensmittelbranche. Auch in anderen Branchen können mit smaRTI Prozesse innerhalb der Lieferkette optimiert, Umsätze gesteigert und Verwaltungsaufwände verringert werden. Das zeigt der Piloteinsatz der smaRTI Lösung beim Landtechnik-Hersteller CLAAS. Die Transponder wurden hier in Ladungsträger der Schneidwerke von Mähdreschern implementiert. Mit dem Fraunhofer IML wird smaRTI in Zukunft auf weitere Prozesse übertragen. Das Internet der Dinge nimmt damit mehr und mehr Gestalt an.